Harnischwelse und die sog. L-Welse


Harnischwelse, was sind das eigentlich? Diese skurrilen Gesellen mit ihrem Saugmaul, die von vielen zu einfachen "Staubsaugern", "Algenvernichtern" und "Restevertilgern" degradiert werden, haben doch einiges mehr zu bieten und ziehen laufend mehr begeisterte Aquarianer in ihren Bann.
Noch vor einigen Jahren war in der Aquaristik gerade einmal der Braune Antennenwels (Ancistrus sp.) bedeutsam, und Welse galten schlichtweg als farblose, scheue Nutzfische, die zwar praktisch sind, aber die man selten zu Gesicht bekam. Mittlerweile hat sich diese Einstellung aber grundlegend geändert und es ist ein regelrechter Boom um diese Fische ausgebrochen. Dafür ist sicherlich die enorme Zahl von Neuimporten in den vergangenen Jahren verantwortlich, durch die ersichtlich wurde, wie groß die Vielfalt bei den Welsen ist. Plötzlich tauchten auch ausgesprochen farbenfrohe und tagaktive Welse auf, die keineswegs nur Algen vernichten können und stattdessen sehr interessante und vielfältige Verhaltensweisen zu bieten hatten. Durch die sehr große Zahl der Neuentdeckungen und -importe war es den Experten nicht mehr möglich, bei den taxonomischen Einordnungen und wiss. Beschreibungen der neuen Arten Schritt zu halten. Viele verschiedene Händlerbezeichnungen geisterten durch die Zoohandlungen, die Bestimmung der Gattungs- und Artzugehörigkeit eines neu erworbenen Tieres wurde allmählich für den Aquarianer zu einem Buch mit sieben Siegeln. Um dies zu verhindern, entwickelte R. Stawikowski, Redakteur der Aquarienzeitschrift DATZ, die sogenannten L-Nummern (L = Loricariidae, Harnischwelse), die sich inzwischen weltweit als Standard durchgesetzt haben. Jede neu importierte Art wurde in Wort und Bild in dieser Zeitschrift vorgestellt und für diese Art eine Nummer vergeben. Im gleichen Zuge stellte eine andere Zeitschrift (Das Aquarium) aber ebenfalls neue Arten vor. Da man sich nicht auf eine einheitliche Numerierung einigen konnte wurden somit auch noch die LDA-Nummern (LDA = Loricariidae, Das Aquarium) vergeben. Mittlerweile hat sich gezeigt, daß auch trotz dieser Nummern für den "Normalaquarianer" noch erhebliche Unsicherheiten bestehen, da eine Zuordnung und eindeutige Bestimmung für einen Laien sehr schwer ist. Die Taxonomie steckt quasi noch im Anfangsstadium und ändert sich regelmäßig. Importeure und Großhändler klassifizieren die Tiere oft falsch, so daß der Aquarianer oftmals gar nicht weiß, was in seinem Becken herumschwimmt. Selbst in der Literatur trifft man sehr oft auf falsche Angaben. Bei derzeit über 300 vergebenen L-Nummern ist es kaum möglich diese alle zu kennen und viele Tiere sehen für einen Laien zum Verwechseln ähnlich, so daß er selber keine Zuordnung zu einer bestimmten L-Nummer mehr treffen kann. Hier ist noch eine Menge Arbeit notwendig um Licht in das Dunkel zu bringen.... wir hoffen mit unserer aktuellen Zusammenstellung dieser L-Welse, die in Zusammenarbeit mit Ingo Seidel (Seefeld / Berlin) und Jens Gottwald (Garbsen / Hannover) erstellt wird, einen kleinen Beitrag dazu liefern zu können.